Welche Gefahren bringt die Hitze mit sich?

Hitzeschlag - wie reguliert ein Hund die Körperwärme?

Der Sommer ist angekommen, und mit ihm warme, einladende Temperaturen und herrlicher Sonnenschein. Tierhalter wie auch Hunde geniessen meist diesen Wandel nach dem Winter und begeben sich häufiger nach draussen um Sport zu treiben, die Natur auszukosten oder einfach Sonne aufzutanken. Doch zu viel Wärme und ungenügend ergriffene Massnahmen zur Abkühlung können gefährlich werden, denn nicht nur Mensch, sondern auch Tiere und besonders Hunde, können einen Hitzeschlag erleiden.

Die Körpertemperatur eines Säugetieres wird grundsätzlich körpereigen im Gehirn (der sogenannte Hypothalamus) reguliert und möglichst auch unabhängig von der Aussentemperatur gehalten1,2. Ein Grundmechanismus, um die Temperatur im Gleichgewicht zu halten ist vor allem die Körperwärmeabstrahlung. Sind weitere Massnahmen benötigt, um den Hundekörper zu kühlen, kann der Hypothalamus weitere Mechanismen zur Wärmeabgabe an die Umwelt, wie zum Beispiel Hecheln, einleiten3. Hecheln bewirkt eine Abkühlung durch die eingeatmete, kühle Luft, welche in die Lungen gezogen wird, wie auch über die vermehrte Verdunstung von Speichel, sodass die Blutzirkulation in den Schleimhäuten abkühlt. Die Wirksamkeit dieses Mechanismus lässt bei starker Umwelttemperatur und Luftfeuchtigkeit deutlich nach4.

Trotz den vorhandenen Regelmassnahmen, um die eigene Temperatur zu regulieren, kann die Körperwärme bei gegebenen Umständen aus dem Gleichgewicht geraten. Nebst physiologischen Mechanismen sind äusserliche Einflüsse5, welche die Körpertemperatur eines Hundes hochtreiben können, vor allem erhöhte Umwelttemperaturen und starke körperliche Anstrengung. Wenn die obengenannten körpereigenen Mechanismen eine erhöhte Körpertemperatur (>41° C) nicht mehr korrigieren können, kann das fatale Folgen für das Tier haben6.

Welches sind die Anzeichen, die du erkennen musst?

Bevor ein Hund einen Hitzeschlag erleidet, ist er häufig dehydriert und wirkt eher schlapp. Hunde, welche einen Hitzeschlag erleben, weisen Schocksymptome auf, brechen in der Regel zusammen und haben Herzrasen7. Zeigt ein Hund solche Symptome, ist dies ein Notfall und das Tier soll möglichst rasch zum Tierarzt gebracht werden. Das Tier sollte noch unterwegs gekühlt werden. Folgen von einem Hitzeschlag können Stunden bis Tage nach dem Erleiden auftreten, und können unter anderem Nierenversagen, Gerinnungsstörungen und neurologische Anfälle sein8.

Welche Hunde sind besonders gefährdet?

Langhaarige, übergewichtige und auch kurznasige, ‚brachyzephale‘ Hunde neigen eher zu Hitzeintoleranz7. Hunde, welche gemäss einer Untersuchung aus 2006 einen Hitzeschlag erlitten, waren bis zu drei Stunden der Hitze ausgesetzt oder haben bei Wärme körperliche Arbeit geleistet für ungefähr 60 Minuten7.

Nicht nur der Hundehalter, auch der Hund sollte angemessen vor der Hitze und Sonne geschützt werden. Viele Richtlinien, welche für Menschen gelten, können und wollen auch beim Hund angewendet werden: Lange Aufenthaltszeiten in der Sonne sollten vermieden, grosse Anstrengung in der Hitze unterlassen und genügend Wasser sollte aufgenommen werden. Selbstverständlich darf der Hund nicht in der Hitze in einem Fahrzeug gelassen werden. Bei starker Hitze können externe Hilfemassnahmen wie Baden, Abduschen, Kühlwesten und Kühlmatten eingesetzt werden.

 

Quellenangaben:

1. Boulant JA. Role of the preoptic-anterior hypothalamus in thermoregulation and fever. Clinical infectious diseases 2000;31:S157-S161.

2. Ranson S, Ingram W. Hypothalamus and Regulation of Body Temperature.∗. Proceedings of the Society for Experimental Biology and Medicine 1935;32:1439-1441.

3. Shapiro Y, Rosenthal T, Sohar E. Experimental heatstroke: a model in dogs. Archives of internal medicine 1973;131:688-692.

4. Hales JR, Bligh J. Respiratory responses of the conscious dog to severe heat stress. Experientia 1969;25:818-819.

5. Bouchama A, Knochel JP. Heat stroke. N Engl J Med 2002;346:1978-1988.

6. Flournoy WS, Macintire DK, Wohl JS. Heatstroke in dogs: clinical signs, treatment, prognosis, and prevention. Compendium 2003;25:422-431.

7. Bruchim Y, Klement E, Saragusty J, et al. Heat stroke in dogs: A retrospective study of 54 cases (1999-2004) and analysis of risk factors for death. J Vet Intern Med 2006;20:38-46.

8. Drobatz KJ, Macintire DK. Heat-induced illness in dogs: 42 cases (1976-1993). J Am Vet Med Assoc 1996;209:1894-1899.

Welche Massnahmen kannst und solltest du ergreifen?

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1. Achte auf den Flüssigkeitshaushalt

Sobald es wärmer wird, wird der Körper automatisch mehr Flüssigkeit brauchen. Für viele Tiere ist das überhaupt kein Problem, sie trinken einfach mehr. Vor Allem Katzen trinken oft nicht genügend. Im Idealfall stellst du deiner Fellnase immer ausreichend frisches Trinkwasser bereit an verschiedenen Trinkmöglichkeiten, gern auch verteilt auf verschiedene Standorte. Manche mögen bewegtes Wasser. Dafür eignen sich hervorragend diverse Modelle von Trinkbrunnen, bei denen das Wasser durch die Zirkulation mit Sauerstoff angereichert und durch den Filter auch noch gereinigt wird. Den mäkeligen Trinkern kann man das Wasser mit einem Schuss Sahne versuchen schmackhafter zu machen oder beispielsweise auch mit dem Saft aus der Thunfischdose. Das ist sehr individuell, was funktionieren kann und was nicht.

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Nassfutter hat beim Thema Hitze ganz klar den Vorzug. Während Nassfutter einen Feuchtigkeitsanteil von bis zu 80 % aufweisen kann, sind es beim Trockenfutter in den meisten Fällen weniger als 14 %. Wenn der Feuchtegehalt auf der Packung nicht deklariert ist, kannst du fast sicher sein, dass es weniger als 14 % sind, da das Gesetz die Deklaration ab 14 % vorschreibt.

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2. Gib schattigen Plätzen den Vorzug

Der Temperaturunterschied zwischen einem schattigen Plätzchen und einem Platz an der prallen Sonne kann enorm sein. Wenn du für deinen pelzigen Freund also einen Platz im Schatten aussuchst, wird er dir sicher dankbar sein.

3. Plane Aktivitäten und Spaziergänge während den kühleren Stunden des Tages

Vermeide körperliche Anstrengung für deine Katze oder deinen Hund während den heissen Tageszeiten. Unvermeidbare Pinkelspaziergänge sollten kurz gehalten werden. Bitte lass deinen Hund nicht neben dir herrennen, während du auf dem Fahrrad in die Stadt radelst und dein Mittagssandwich holst. Wenn du es einrichten kannst, plane deine Spaziergänge und Aktivitäten in den frühen Morgenstunden und in den Stunden vor der Abenddämmerung, wenn es etwas kühler ist.

4. Meide den heissen Asphalt wenn du kannst

Plane Spazierwege ein, die möglichst nicht asphaltiert sind. Waldwege oder Naturpfade eignen sich besser. Asphalt wird enorm heiss und kann bei einer Lufttemperatur von 30°C problemlos 60°C erreichen. Das reicht aus, um Verbrennungen an den Pfoten zu erleiden. Zur Verdeutlichung: das Eiklar aus einem Hühnerei gerinnt bei Temperaturen um die 60°C. Der Asphalt kann also gleich heiss werden wie die Bratpfanne, die du für deine Frühstückseier benutzt.

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Wenn du den Asphalt gar nicht meiden kannst, sorg dafür dass die Pfoten deiner Fellnase geschützt sind.

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5. Lass dein Tier nicht im Auto - auch nicht nur kurz!

Da es leider regelmässig Hitzeopfer in Fahrzeugen gibt, erlauben wir uns hier nochmal zu warnen: Nimm Lebewesen aus dem Fahrzeug, wenn du es abstellst. Alle. Immer.

Nachstehende Tabelle zeigt die Hitzeentwicklung im Fahrzeug nach Dr. Andrew Grundstein, University of Georgia. Die Temperaturen in den orangefarbene Felder sind bereits letal.

Hitzeentwicklung im Fahrzeug Stupsnase

6. Wenn du kühlen musst - kühle richtig!

Sollte es trotz allen Vorsichtsmassnahmen doch zu einem Hitzschlag kommen, musst du dein Tier kühlen und in den Schatten bringen. Dabei gilt es folgendes zu beachten:

Kühle das Tier nicht mit zu kaltem Wasser!

Das Übergiessen des Tieres mit zu kaltem Wasser kann dazu führen, dass sich die Gefässe zusammenziehen und die Blutzirkulation erschwert wird. Das hilft dem Tier nicht, sondern macht die Situation eher noch schlimmer.

Kühle von unten!

Wenn du eine Kühlmatte oder etwas derartiges hast, benutze es. Wenn nicht, lege das Tier im Schatten auf nasse Tücher. Kühle unbedingt von unten, denn so entsteht Verdunstungskälte, welche bei der Hitzereduktion im Körper des Tieres hilft. Wenn du die nassen Sachen auf das Tier drauf legst, staust du so die Wärme und verhinderst, dass diese entweichen kann. Kühle von unten! Kühle Gliedmassen und Nacken idealerweise zuerst.

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Wasser richtig verabreichen:

Das Tier sollte nicht eiskaltes Wasser trinken. Etwas kühler als Zimmertemperatur wäre gut, aber nicht zu kalt. Lieber mehrfach kleinere Mengen verabreichen als grosse Mengen aufs Mal.


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