Allergie

Was ist eine Allergie?

Per Definition ist eine Allergie eine krankhafte, überschiessende, vom eigenen Immunsystem her kommende Abwehrreaktion auf ein Allergen, also auf einen Stoff, den das Immunsystem als Eindringling klassifiziert und deswegen bekämpfen will. Das Allergen kann irgendein Stoff sein, der in der Umwelt vorkommt, kann unter anderem aber auch im Futter oder in Insektengiften auffindbar sein. Meist sind die Eiweisse die Allergene, auf die der Organismus einer  Katze oder eines Hundes reagiert.

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 Abbildung 1: kratzende Katze

Wann ist es eine Allergie?

 

Damit die Reaktion als Allergie angesehen werden kann, müssen zwei Kriterien erfüllt sein:

  1. Die Reaktion muss völlig über das Ziel hinausschiessen
  2. Die Reaktion muss vom Immunsystem ausgelöst worden sein

Überschiessende Reaktion

Damit die Immunreaktion auf den Fremdstoff als „allergisch“ eingestuft werden kann, muss sie überschiessend sein. Als Beispiel dafür nehmen wir einen Bienenstich: Wenn sich die Haut rund um einen Bienenstich ein Wenig rötet, sich die Einstichstelle etwas erwärmt und ein Bisschen anschwillt, handelt es sich noch nicht um eine allergische Reaktion, sondern um eine adäquate Antwort des Immunsystems auf das Bienengift. Wenn aber der betroffene Körperteil sofort nach dem Einstich massiv zu schwellen beginnt und die übrigen Entzündungszeichen überdeutlich auftreten (Wärme, Schmerz, Funktionseinschränkung, Rötung, Schwellung), kann die Sache als allergische Reaktion betrachtet werden.

 

Beteiligung des Immunsystems

Das körpereigene Abwehrsystem muss beteiligt sein an der Reaktion (genauer gesagt muss es die Reaktion auslösen), damit man von einer Allergie sprechen kann. Wenn ein Hund also nach einer grossen Menge bindegewebehaltigen Snackartikeln Durchfall bekommt, ist im Regelfall das Immunsystem nicht beteiligt. Dann war der Verdauungstrakt des Hundes schlichtweg zu kurz, so dass dem Hund zu wenig Zeit blieb, die schwer löslichen Proteine im Bindegewebe aufzunehmen, bevor diese im Dickdarm ankommen. Dort wurde das Verarbeiten der Proteine dann von den nicht körpereigenen Dickdarmbakterien erledigt, was die vermehrte Produktion von Abfallstoffen und –Gasen zur Folge hat, die dann zum Durchfall führen. Es ist dann also nicht zwingend so, dass der Hund allergisch wäre auf die verfütterten Snacks. Es gibt verschiedene Arten von Intoleranzen und Pseudoallergien. Diese müssen von der Allergie abgegrenzt werden, weil eine Allergie die Beteiligung des Immunsystems voraussetzt.

 

Wie funktioniert eine Allergie?

Beginnen tut eine Allergie nicht erst mit dem Auftreten der Symptome, sondern schon viel früher. Die Entwicklung einer Allergie kann in zwei Phasen unterteilt werden. Die frühere Phase heisst Sensibilisierung. Während der Sensibilisierung findet der Erstkontakt mit dem Fremdstoff statt und das Immunsystem entscheidet, ob es diesen Fremdstoff als feindlich oder als ungefährlich einstuft.

Abbildung 2: Vereinfachtes Schema Ablauf Allergie

Phase

Wer ist beteiligt?

Was geschieht?

Wer wird ausgelöst?

Besonderes

Sensibilisierung

Fremdkörper (Üblicherweise Aminosäuren-komplex)

Erstkontakt: Fremdkörper befindet sich im Körper und lockt Fresszellen an.

Fresszellen

Es ist nicht zwingend, dass nach einer Sensibilisierung die Allergie auch ausbrechen muss.

Fresszellen

Fresszellen isolieren das Allergen und übergeben es den T-Zellen zur Begutachtung.

T-Zellen

T-Zellen

Identifizieren das Allergen als körperfremd und leiten eine Abwehrreaktion ein.

B-Zellen

B-Zellen

Erhalten durch Botenstoffe von T-Zellen den Auftrag, Abwehrkörper zu bilden. Sogenannte IgE werden gebildet.

Immunglobuli E (igE)

IgE

Ein IgE-Antikörper ist quasi der Steckbrief bzw. der Fingerabdruck des Fremdkörpers, sozusagen die Identitätsspeicherung, um den Fremdstoff später sofort wieder-erkennen zu können, wenn es nochmal auftaucht.

Mastzellen und Blut

Mastzellen

Beheimaten IgE, machen den IgE’s bequeme Plätzchen bereit, damit diese sich dort installieren und sofort loslegen können im Ernstfall.

Ende der Sensibilisierung wenn IgE auf ihren Wachtposten.

Immunreaktion auf Zweitkontakt

Fremdkörper (Üblicherweise Aminosäurenkomplex)

Zweitkontakt: Fremdkörper befindet sich zum zweiten Mal im Körper. Werden von den während der Sensibilisierung speziell für dieses Allergen ausgebildeten IgE sofort erkannt.

Immunglobuli E (IgE)

Normalerweise reguliert sich das Immunsystem selber und sorgt dafür, dass IgE schnell wieder abgebaut werden. Deshalb kommt es  beim gesunden Tier gar nicht erst zur Sensibilisierung.

Immunglobuli E (IgE)

Erkennen das Allergen wieder und alarmieren Mastzellen. Diese werden aktiv.

Mastzellen

Mastzellen

Alarmieren andere Zellen und schütten Botenstoffe aus, die Entzündungszeichen hervorrufen

Botenstoffe

Botenstoffe

Hystamin sorgt für Entzündungssymptome

Heparin hemmt die Blutgerinnung, wirkt also Blutverdünnend wenn man so will.

Weitere…

Symptome

5 Entzündungs-zeichen:

  • Schmerz
  • Rötung
  • Erwärmung
  • Funktionsein-schränkung
  • Schwellung

Wenn nun die Sensibilisierung durch ist, heisst das noch lange nicht, dass es zu einer allergischen Reaktion kommen muss. Es kann auch sein, dass die Allergie erst Jahre nach der Sensibilisierung oder auch überhaupt nicht ausbricht.

 

Die Allergie bricht aus – was kannst du tun?

Stupsnae Allergische Reaktion

Abbildung 3: allergische Reaktion

Kurzfristiger Ansatz: Immunsuppression

Ganz kurzfristig und idealerweise auch nur vorübergehend und ganz gezielt kann das Immunsystem mit Kortison oder einem ähnlichen immunsupprimierenden Medikament etwas abgeschwächt werden, so dass die Immunreaktion weniger heftig ausfällt oder gar abklingt und die Allergiesymptome Zeit haben, sich zurückzubilden. Das ist aber nur im Notfall empfohlen, da so lediglich die Symptome bekämpft werden und das Problem damit nicht gelöst ist, sondern nur zeitlich verschoben. In ganz schlimmen Fällen kann es sein, dass Patienten trotz einer Eliminationsdiät (vgl. Langfristiger Ansatz) eine unterstützende, immunsupprimierende Behandlung auch langfristig brauchen.

 

Langfristiger Ansatz: Eliminationsdiät (Allergenkarenz)

Das einzige, was wirklich nachhaltig helfen kann, die Allergiebeschwerden zu lindern, ist eine Vermeidung der Allergene, welche vom Immunsystem bekämpft werden. Das heisst, dass die allergieauslösenden Stoffe nicht mehr zugeführt werden dürfen. Typischerweise spricht man hier von einer Eliminationsdiät, wobei die Ration von Grund auf neu zusammengesetzt wird. Man beginnt mit einer einzelnen Eiweissquelle, die der Patient noch nie zuvor gegessen hat (Wichtig: Auch nicht als Snack, Leckerli oder als Bestandteil von Keksen usw. …) So kann man sicher sein, dass das Immunsystem des Patienten diese neue Eiweissquelle noch nicht kennt. Der lokale Metzger bietet dabei gern seine Hilfe an. Auch hilfreich können dabei Monoprotein-Futtersorten sein, wenn der Tierhalter lieber Fertigfutter füttert. Wie oben bereits beschrieben, kann auch auf diese neue Eiweissquelle beim Zweitkontakt eine allergische Reaktion erfolgen. Es hilft nichts, ausser durchprobieren, bis man eine Eiweissquelle findet, die vertragen wird. Anschliessend kann man die Ration um die Eiweissquelle herum berechnen und sinnvoll ergänzen, so dass eine langfristig gut vertragene, bedarfsdeckende, gesunde Ernährung möglich wird.

Eliminationsdiät - wie schliesse ich Proteine, die an der Allergie Schuld sein könnten, aus?

Da selten genau bekannt ist, welches Protein die Reaktionen verursacht, versucht man es mit einer Eiweissquelle, die der Patient mit Sicherheit noch nie zuvor erhalten hat. Tolle Helfer hierfür sind Monoprotein-Futtermittel, denn darin wird lediglich eine einzige Eiweissquelle verwendet.

Zu den Monoprotein-Futtermitteln

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Abbildung 4: Beispiel für Monoprotein-Futtermittel

Wenn du die Ration selber zubereitest oder BARFst, achte bitte unbedingt darauf, dass alle Nährstoffe in der richtigen Menge verfügbar sind, so dass nichts fehlt und es auch nirgends eine Überversorgung geben kann. Beides kann schwerwiegende gesundheitliche Folgen für deine Stupsnase haben. Es gibt diverse Vitamin- und Mineralstoffsupplemente, die du verabreichen kannst.

Zu den Ergänzungsfuttermitteln für Selberkocher und BARFer

Ein ganz neuer Trend ist ein Futtermittel, das auf Insektenprotein basiert. Dafür werden Mehlwurmlarven verwendet. Da dieses Eiweiss bisher kaum irgendwo verwendet wurde, ist es nicht nur extrem nachhaltig, sondern auch sehr gut verträglich und geniesst bei Hunden eine hohe Akzeptanz.

Stupsnase InsectoDog Kroketten

Abbildung 5: Krokette eines Trockenfuttermittels für Hunde auf Insektenproteinbasis


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